Montag, 28. März 2011

Just praying on your grave

Lächelnd nehme ich die weiße Lilie entgegen. Ich bin davon überzeugt, dass du dich auch heute noch genauso darüber freust, wie damals zu unserem ersten Date. Damals hattest du plötzlich dieses Funkeln in den Augen, als ich sie dir gegeben hatte. Du hast mich angelächelt und ich fühlte mich wie im 7. Himmel.

Das ist jetzt schon fast 10 Jahre her.

Und doch kann ich mich an so viele Dinge noch so gut erinnern. Ich habe unser erstes Treffen, unser erstes Date, unseren ersten Jahrestag und all die Dinge noch vor meinem inneren Auge, weiß sie noch, als ob es erst gestern wäre.

Damals, an meinem ersten Arbeitstag, als du – stürmisch wie du immer warst – um die Ecke kamst, wie ein Wirbelwind und mich quasi über den Haufen gerannt hast. Wie du mich angelächelt hast und deine grauen Augen dabei so fröhlich, schelmisch gefunkelt haben. Wie du mit einer verlegenen Bewegung die aschblonden Locken hinter die Ohren geschoben hast und eine Entschuldigung gemurmelt hast. Bei mir hat es sofort gefunkt. Allerdings hat es dann doch eine ganze Weile gedauert, bis wir uns etwas näher kennen gelernt haben.

Es war erst die nächste Betriebsfeier nötig, dass wir ins Gespräch gekommen sind. Doch wir haben uns gleich prima verstanden. Dennoch warst du damals noch in einer Beziehung. Und für mich hieß es geduldig zu sein und abzuwarten, in welche Richtung sich alles entwickeln würde. Ich sah dich öfter in der Kantine und wir haben uns manchmal kurz unterhalten. Doch so recht hat sich nichts geändert und ich hatte mich schon mit dem Gedanken abgefunden, dass ich bei dir einfach keine Chance hatte.

Aber eines Abends habe ich dich in einer Bar getroffen. Du saßest alleine an einem Tisch und hast gewartet. Du hast immer wieder auf die Uhr gesehen und dann ungläubig den Kopf geschüttelt. Nachdem ich dich etwa 20 Minuten so beobachtet hatte, habe ich dich angesprochen. Ich wollte wissen, ob alles in Ordnung ist, obwohl wirklich jeder sehen konnte, dass dem nicht so war. Du hast nur erneut unwillig den Kopf geschüttelt und gemeint, dass man dich wohl versetzt habe.

Ich habe nicht gefragt wer es war. Ich wollte es nicht wissen, aber ich habe gehofft, dass es dein Freund war. Ich weiß es bis heute nicht. Ich habe dich nie danach gefragt, aber ich bin dieser Person sehr dankbar, denn sie hat etwas möglich gemacht, das ich zu diesem Zeitpunkt selbst nicht mehr für möglich gehalten habe.

Du hast den Abend mit mir genossen und nicht mit deiner eigentlichen Verabredung. Und wie du ihn genossen hast. Ich habe das Strahlen in deinen Augen gesehen und ich habe dein entspanntes Lachen gehört. Dir hat es so gut gefallen, dass du dich wieder und wieder mit mir verabredet hast. Ich war zwar nicht sicher, auf was es hinauslaufen würde, aber ich habe mich darauf eingelassen, viel zu sehr habe ich mich nach deiner Nähe gesehnt, als dass ich dieses verlockende Angebot hätte ausschlagen können. Und ich brachte dir eine Lilie mit. So wie ich es in den letzten Jahren so oft getan habe, und heute wieder tue.

Drei Monate und einige Treffen später hast du mir bei einem DVD Abend gestanden, dass du dich in mich verliebt hast. Ich konnte es kaum fassen, dass sich meine Geduld und meine Bemühungen gelohnt haben sollten. Ich hatte dich also erobert. Ich hatte die hübsche und kluge Freundin, die ich mir gewünscht hatte. Ich war so verliebt.

Mit einem Mal schien alles so einfach zu sein. Wir hatten wunderschöne Jahre zusammen. Wir waren glücklich.

Ich weiß noch, wie wir unseren ersten Jahrestag in Venedig verbrachten. Es hätte so romantisch werden sollen, in der Stadt mit den tausend Brücken. Aber letztendlich war es ein grauenhafter Urlaub. Es hat pausenlos geregnet und wir haben in den drei Tagen unser Hotel lediglich bei der Abreise verlassen. Von Venedig haben wir einzig und allein den Weg zum Flughafen gesehen. Und doch war es etwas Besonderes. Es war unser erster gemeinsamer Urlaub. Aber zum Glück nicht der letzte. Allerdings waren die anderen Urlaube wesentlich angenehmer. Die Kreuzfahrt in der Karibik, der Abenteuerurlaub in Skandinavien und die Safari in Kenia. Wir haben viel erlebt und wir haben es genossen. Wir haben einfach unser Leben gelebt. Vom ersten bis zum letzten Atemzug.

Nur kam deiner leider viel zu früh. Ich sehe dich immer noch vor mir. An dem Tag, als du es mir gesagt hast, trugst du ein rotes Kleid. Deine Haare waren zu einem Zopf gebunden, aus dem einige Fransen heraushingen. Deine Schminke war verlaufen, weil du so viel geweint hattest. Du bist mir in die Arme gefallen und ich konnte dich kaum beruhigen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bist du die Worte ausgesprochen hattest. „Ich werde sterben“ hast du gemurmelt und ich war nicht sicher, ob ich dich richtig verstanden hatte, so leise war deine brüchige Stimme. Erst einen Tag später warst du in der Lage mir zu erzählen was passiert war. Du warst beim Arzt gewesen, weil du schon länger fürchterliche Kopfschmerzen gehabt hast. Du bekamst die Diagnose, dass ein inoperabler Gehirntumor auf deine Schädeldecke drückte. Daher die fürchterlichen Schmerzen. Man sagte dir, dass du maximal noch ein halbes Jahr zu leben haben würdest.

Es wurde kein halbes Jahr mehr. Sechs Wochen später warst du tot. Und ich stand plötzlich alleine da, hatte die wunderbarste Frau dieser Welt verloren.

Natürlich hatten wir die letzten Tage miteinander verbracht. Wir hatten erneut Venedig besucht, diesmal mit schönem Wetter, doch der Regen, den wir bei unserem ersten Aufenthalt verflucht hatten, wäre uns tausendmal lieber gewesen. Er hätte zu unserer Stimmung gepasst. Oft lag ich nachts wach und habe dich beobachtet. Ich wollte so viel Zeit wie möglich mit dir verbringen. Ich wollte dein Gesicht so fest in mein Gedächtnis einbrennen, dass ich es niemals vergessen würde.

Doch ich habe mich damals getäuscht. Ich könnte dich nie vergessen. Du bist auch nach einem halben Jahr noch immer präsent, lässt mich einfach nicht los.

Jeden Tag komme ich an dein Grab.

Und jeden Tag wünsche ich mir, dass du noch hier wärst. Du fehlst mir.

Und jetzt stehe ich erneut hier, an deinem Grab. Wieder habe ich eine Lilie dabei.

Und ich weiß, du freust dich darüber, denn heute wäre dein Geburtstag gewesen.

Ich habe dich nicht vergessen, ich vergesse dich nicht und ich werde dich auch nie vergessen.

Ich vermisse dich.


Der Anfang gammelt seit Ewigkeiten auf meinem Pc rum und vorhin hatte ich Lust es zu vollenden. Nur ich weiß noch nicht genau, was ich davon halten soll. Mir gefällt das Ende so nicht, allerdings weiß ich auch nicht, was mich genau stört. Sagt ihr es mir :)

Ich werde mich jetzt an meine Unterlagen für Planspiel setzen und wünsche euch noch einen schönen Tag.

Herzallerliebste Grüße
Simonileinchen

1 Kommentar:

  1. mi mejor, ich hab so gänsehaut!
    ich fands wunderschön.
    erstens finde ich es unglaublich spannend, dass du aus der perspektive eines mannes schreibst.
    und dann die thematik :( einfach nur unglaublich traurig.
    und die geschichte dahinter so wunderschön.
    zwei menschen die sich mögen, aber noch nicht frei sind und doch kommt am ende zusammen, was zusammen gehört, auch wenn sie das leben wieder auseinander reisst.....

    ich bin sehr gespannt ob da noch was kommt bzw was du dir da alles noch so dazu gedacht hast.
    mir hat es super gefallen.
    aber das wundert jetzt wohl niemanden so richtig, oder? (^^,)

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